66 Spitzenathletinnen aus 28 Ländern treffen sich zum Damen-Einzel der Roundnet-Weltmeisterschaft. Der Wettbewerb verspricht Technik und Taktik auf hohem Niveau, vor allem aber eine Ausgeglichenheit, die es in der Herren-Division so nicht gibt. Die Europäerinnen haben ihre Klasse immer wieder gezeigt und die Dominanz der nordamerikanischen Teams angegriffen: Kunzelmann wurde bei den Championships der Spikeball Tour Series (STS) zweimal Zweite in der Damen-Pro-Division, Stadler und Gulden holten 2023 Platz drei, Tiramisu 2024 Platz vier. Bei der letzten WM wurden das deutsche und das österreichische Aufgebot Zweiter und Dritter. Der Titel ist offen.
Die mystischen Twinz: Ali & Olivia Jenki
Zum ersten Mal auf europäischem Boden sind die legendären Twinz zu sehen, Ali und Olivia Jenki aus den USA. Bei der WM 2022 fehlten sie, jetzt wollen sie ihren Ruf als dominantestes Damenteam der Roundnet-Geschichte festschreiben. Sie haben die letzten drei STS Championships gewonnen und bei einem großen Event nur ein einziges Mal verloren, 2023 in Salt Lake City gegen Pierson und Kunzelmann. WM-Titel sind das Einzige, was in ihrer beeindruckenden Sammlung noch fehlt. Makellose Grundlagen, eine Annahme, die an den besten Aufschlägen der Welt geschult ist, dazu viel Erfahrung: In England sind sie die klaren Favoritinnen.
Die Herausforderinnen
Am nächsten dran war bisher „Towerful“: Im STS-Championship-Finale des Vorjahres verloren Kunzelmann 🇨🇭 und Lorenz 🇩🇪 beide Sätze knapp in der Verlängerung. Kunzelmann spielt diesmal Mixed, gefordert werden die Twinz trotzdem von vielen anderen Teams.
Tiramisu: Die letzte Weltmeisterschaft verpasste Daniela Kadlec wegen der Hochzeit ihrer besten Freundin. Jetzt ist sie frisch gekürte Dodgeball-Weltmeisterin und MVP mit Österreich und will nun auch im Roundnet Weltmeisterin werden. Ihre Partnerin M. Leybourne führte das österreichische Damenaufgebot 2022 ohne Kadlec zu einem sensationellen dritten Platz. Als „Tiramisu“ wollen Leybourne und Kadlec es besser machen als zuletzt: Platz vier bei der STS Championship 2023, dazu eine enttäuschende Europasaison mit der ETS Vienna Championship, wo sie ihr Viertelfinale wegen einer Verletzung von Kadlec aufgeben mussten.
Pernigo/Zanella: Wo ein Team strauchelt, blüht ein anderes auf. Bei der ETS Vienna waren das Pernigo und Zanella, die mit Platz zwei viele überraschten, sich selbst eingeschlossen, und nur dem Super-Duo Kunzelmann und Paysan unterlagen. Kommen die Italienerinnen am Donnerstag noch einmal so weit?
Fleming/Morgan: Lass dich vom neuen Namen nicht täuschen. Früher hießen sie „THUS Parabatai“, Fleming und Morgan haben beide vor Kurzem geheiratet und sind an Nummer zwei gesetzt. Als frühere STS-Championship-Finalistinnen und eines der besten US-Damenteams wollen sie die Twinz endlich schlagen und sich den WM-Titel holen.
Puces & Dives: Nach einem Jahr „Funkstille“ spielen die wendigen Französinnen Alt und Paysan wieder zusammen, gesetzt an Nummer vier. Die reguläre Clubsaison bestritten beide mit anderen Partnerinnen, das über Jahre gewachsene Zusammenspiel ist aber geblieben. Paysans Entwicklung an der Seite von Kunzelmann über die Saison hinweg könnte entscheidend sein, wenn das französische Team unter die besten vier will.
Auch Aspirot/Tardy 🇨🇦 können die Endplatzierungen durcheinanderbringen, ebenso das neu formierte Team Allen/Washburn 🇺🇸. Washburn hat die US-amerikanische und die dänische Staatsbürgerschaft und spielte bei der letzten WM für Dänemark. Ihre starken Auftritte in diesem Jahr in Europa und den USA (mit Team Chitty Bang an der Seite von Lorenz 🇩🇪) blieben aber nicht unbemerkt und brachten ihr einen Platz im Team USA. Ihr Abgang kostete die Däninnen ein paar Tränen, trotzdem stand das ganze dänische Team hinter Washburns Entscheidung. Wie es so schön heißt: „Wenn du jemanden wirklich liebst, lässt du ihn ziehen.“ 😊
Die deutsche Welle rollt
Alle vier deutschen Damenteams bringen Qualität und Erfahrung mit. Das bestgesetzte ist die etwas ungewohnte Kombination Lorenz/Knauf, beide gelten aktuell als die stärksten deutschen Einzelspielerinnen (steile These 🔥?). Dann ist da die dreifache Roundnet-Europameisterin J. Stadler, die sich ihren Traum erfüllt und bei einer WM an der Seite ihrer Schwester spielt (Franzi war 2022 verletzt). Laufarbeit, sauberes Zuspiel und starke Abwehr gehören zu ihren größten Stärken.
Bauer/Walter trainieren zudem seit über einem Jahr sehr intensiv und haben 2024 einige Turniersiege geholt. Weil sie wenig reisen, sind sie auf der großen Bühne noch relativ unbekannt, was ihnen in die Karten spielen kann. Und die neue Paarung aus der erfahrenen Gulden und der starken Pfund wird fast jedes Team ärgern. Es wäre keine Überraschung, alle vier deutschen Teams in den Top 16 zu sehen.
Diese Teams solltest du im Blick haben
Teams von außerhalb Europas haben vielleicht keine Titelchance, spannend sind ihre unterschiedlichen Spielstile trotzdem. Wie schlagen sich die Kolumbianerinnen gegen die Japanerinnen, oder die Polinnen gegen Hongkong?
Abschreiben sollte man die lateinamerikanischen Meisterinnen Ripoll/Mussiett aus Chile nie. Da Bastos 🇧🇷 und Moreno-Medina 🇨🇱 im Mixed antreten, ruht die zweitgrößte Hoffnung auf den dreifachen brasilianischen Landesmeisterinnen Pereira/Barreto. Tanzt sich das athletische brasilianische Duo am Donnerstag zu einem großen Ergebnis?
Die Bühne steht, jedes Team bringt eigene Stärken und eine eigene Geschichte mit. Wer wächst über sich hinaus und schreibt sich in die Roundnet-Geschichte ein? Die Welt schaut zu, und du kannst das auch: am Donnerstag, 29. August, auf dem YouTube-Kanal von Spikeball.