Anders als bei der letzten Weltmeisterschaft läuft die Mixed-Division in diesem Jahr parallel zur Herren- und zur Damen-Division. Die Teams müssen sich also strategisch entscheiden.

Setzen wir unsere besten Leute in der Herren- oder in der Damen-Division ein? Liegt die größte Chance in einem starken Mixed-Team, oder soll die Nation in allen Kategorien möglichst breit vertreten sein?

Schauen wir uns an, wie die Teams entschieden haben.

Mixed: Wer sichert sich Platz vier?

Ist das eine provokante Überschrift, Jakub? Überhaupt nicht. Das ist eine begründete, analytische Prognose. Wenn das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht (in England immer möglich), gehen die Medaillen wohl an die beiden US-Teams, Hui/Gross (Mixed-Weltmeister 2022) und Pierson/Rose, sowie an das Schweizer Duo Kunzelmann/Felix (Vizeweltmeister Mixed 2022).

Kunzelmann gilt weithin als beste Spielerin der Welt und gewinnt regelmäßig Europas größte Turniere. Ihr Partner Felix bringt fünf Jahre Erfahrung mit und eine Aufschlagtechnik, die die Gegner ununterbrochen unter Druck setzt.

Die amerikanischen Teams wiederum wollen sich im Halbfinale aus dem Weg gehen und erst im Finale aufeinandertreffen. Pierson/Rose, in den USA als „Chalked“ bekannt, haben diese STS-Saison dominiert: vier Siege bei fünf Mixed-Events, beim fünften der zweite Platz. Rose hat zwei weitere Mixed-Titel auf dem Konto und ist damit der König der Mixed-Division in Nordamerika.

Roses herausragender Aufschlag, der ihn diese Saison auch an die Spitze der Herren-Division gebracht hat (aktuell Rang 1 mit P. Clifford im Team „Numb“), und Piersons solide Grundlagen machen die beiden zu Favoriten auf den Weltmeistertitel. Hui/Gross und Kunzelmann/Felix bleiben aber ernsthafte Titelkandidaten und werden nichts herschenken.

Weitere Anwärter

Weil Leybourne (🇦🇹) mit ihrer Partnerin Kadlec (Tiramisu) in der Damen-Division antritt, mehr dazu in der Damen-Vorschau, verteidigt das starke Mixed-Team Uniley (Leybourne/Dziruni 🇦🇹) seinen dritten Platz von 2022 nicht.

Das öffnet das Feld deutlich, oder doch nicht?

Haas/Kanis (🇩🇪) sind ein eingespieltes Mixed-Team mit mehreren Turniersiegen in Europa. Bei der letzten Weltmeisterschaft standen sie im Viertelfinale und verloren gegen die späteren Sieger Hui/Gross (🇺🇸), jetzt wollen sie es besser machen. Kanis, der die Mixed-Saison größtenteils mit Paysan (🇫🇷) gespielt und dabei Verletzungen gemanagt hat, ist für seine schwer lesbaren Aufschläge mit viel Spin bekannt. Ob das für einen weiten Weg im Turnier reicht, bleibt offen.

Haas gilt als eine der konstantesten Spielerinnen Europas und könnte der Schlüssel zum Erfolg sein. Natürlich kann auch das zweite deutsche Team, Riedelsheimer/Schirop, für Überraschungen sorgen, es spielt dabei aber ohne jeden Druck.

Dazu kommen Duport/Lecrosnier (🇫🇷), ein etabliertes Team, das bei großen Turnieren regelmäßig in den Top 8 landet. Lecrosnier ist ein unangenehmer Linkshänder am Aufschlag, hat an sich gearbeitet und gehört inzwischen zu Frankreichs besten Herrenspielern. Duport steht oft im Schatten von Alt/Paysan (früher Puces & Dives) und hat sich in Europa leise nach vorn gearbeitet. Mal sehen, ob die „Bad Salmons“, so heißt ihr Team, nach dem Weg durch den Ärmelkanal noch genug Kraft haben😉.

Auch das kanadische Team Vallée/Prince ist ein ernsthafter Anwärter auf die Top 4. Unter dem Namen „Princess“ gewannen die beiden dieses Jahr den STS Challenger in Boston und wurden Dritte beim Major in Richmond. Prince steht in Nordamerika auf Rang 4 der Mixed-Einzelwertung, das unterstreicht ihr Potenzial.

Schafft es jemand von außerhalb Nordamerikas und Europas in die Top 8?

Die Australierin Fatt und der finnisch-britische Spieler Beeks, der in den USA lebt, tragen die Hoffnungen des Union Jack. Fatt ist eine erfahrene Spielerin in Europa und vertrat Australien bei der letzten WM. In diesem Sommer wurden Fatt/Beeks beim ETS Helsinki Dritte von sieben Teams, ein Hoffnungsschimmer für Großbritannien.

Beeks ist ein bekannter Roundnet-Influencer und kämpft als Spieler noch um die Anerkennung seiner Kollegen, denn bei seinen wenigen guten Turnieren war er nie der bestimmende Mann. Fatts Vielseitigkeit, ihre Erfahrung und ihre erfolgreiche Turnierbilanz mit E. Ekman 🇸🇪 könnten für die Leistung des britischen Duos entscheidend sein.

Zu Teams außerhalb Europas und Nordamerikas gibt es wenig Daten, Prognosen sind entsprechend schwer. Ein Team sticht trotzdem heraus: Bastos/Lima 🇧🇷. Bastos studiert in den USA und hat es in dieser STS-Saison an der Seite des Amerikaners Fowler aufs Podium und zweimal in die Top 6 geschafft. Fowler zu ersetzen ist eine große Aufgabe, aber Lima kann über sich hinauswachsen.

Zum Schluss: Möglich ist alles, gerade wegen des Turniersystems, ein Spiel bis 21, das den Teams außerhalb der Spitze stark entgegenkommt, weil eine Partie im Handumdrehen vorbei sein kann. Die 57 Mixed-Teams versprechen außergewöhnliche Ballwechsel, athletische Aktionen und eine große Ausgeglichenheit in der Mitte des Turnierbaums, denn die meisten Teams treffen zum ersten Mal aufeinander.